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Das Ziel der Kampfkunst ist das kultivieren des Qi, der Lebenskraft (gespr. „Tchi“; japanisch Ki), so dass wir ein langes, gesundes und glückliches Leben führen können. Wir lernen natürlich auch Techniken um uns selbst zu verteidigen und bekommen schließlich mehr Selbstvertrauen und Selbstsicherheit. Irgendwann fragen wir uns jedoch, was ist das eigentlich für ein Selbst, dass ich da verteidigen soll und vor allem wo ist es?

Das Ziel der modernen Kampfkunst ist nicht das Zerstören von Leben, sondern das schöpferische Wirken in allen Lebenslagen. Das schließt die Selbstverteidigung mit ein, macht sie aber nicht zum alleinigen Ziel. Geduld, Toleranz, Mut, Mitgefühl und Achtsamkeit werden gefördert und bringen uns in Harmonie mit allem Leben.

Zu leben bedeutet sich zu verändern und zu beobachten wie die Umwelt sich verändert. Als Krieger haben wir gelernt, dass der eigentliche Kampf nur in uns selbst zu gewinnen ist. Wir müssen lernen zu akzeptieren. Zu akzeptieren, dass andere anders sind als wir und wir nicht alles kontrollieren können. Darum heißt es in der inneren Kampfkunst auch „Loslassen“. Lass los, im Körper und im Geiste. Wenn du alle Muskeln loslässt, relax, du brauchst nur die Muskeln die notwendig sind um dich aufrecht zu halten und deinen Arm zu heben, dann bist du entspannt. Wie soll ein anderer dich dann packen? Dich treffen? Du siehst seine Faust schon vorher, bevor er weiß, dass er gleich schlagen will. Weil du auch im Geist entspannt bist, siehst du alles, fühlst du alles.

Hast du mal probiert wütend zu werden, wenn du dich völlig entspannst? Es geht nicht. Zu Wut, Hass und Angst gehört immer auch eine Verspannung. Nicht nur im Geist und in der Seele, sondern folglich auch im Körper. Durch Qi Gong Übungen lernen wir uns zu entspannen. Aus dieser Entspannung heraus können wir unsere Energie explodieren lassen. Wir können sie benutzen um uns zu verteidigen, aber auch um uns oder andere zu heilen. Das ist der Weg der inneren Kampfkunst. Die Bewegungen sind natürlich, sanft und frei. In der äußeren Kampfkunst wird mehr Wert gelegt auf muskuläre Stärke und ausgiebiges Stretching. Es ist ein anderer Weg die Kampfkunst auszudrücken. Auf dem höchsten Level treffen sich beide Wege.

Die Veränderungen der Welt können in der Theorie von Yin und Yang ausgedrückt werden. Auf die Kampfkunst angewandt bedeutet das zum Beispiel, dass ich die Energie des Angreifers aufnehme, Yin, und sie dem Angreifer wieder zurückgebe, Yang, um ihn kampfunfähig zu machen. In China gibt es hauptsächlich drei innere Kampfkünste. TaiChi wird als die Mutter aller Kampfkünste bezeichnet. Im TaiChi kommt die Theorie von Yin und Yang voll zur Anwendung. Hsing-I ist der Sohn des TaiChi und beschreibt den Aufbau der Erde. Es ist der körperliche Ausdruck der Theorie der Fünf Elemente aus der Chinesischen Medizin. PaKua ist die Tochter des TaiChi und hat ein komplexes Kampfsystem nach den 64 Hexagrammen des I-Ging, dem Buch der Wandlungen. Es beschreibt die Beziehung zum Himmel und zur Zukunft und beinhaltet ein System der Weissagung. Japanische innere Kampfkünste sind zum Beispiel das Taijutsu und das Aikido. Alle inneren Systeme sind eng miteinander verwandt. Eines zu studieren bedeutet teilweise auch die anderen zu studieren.

Die Chinesische Medizin beinhaltet eine über 3000 Jahre alte medizinische Theorie über den Energiefluss im Körper. Das Qi fließt in Meridianen durch den Körper. Stagniert das Qi an einer Stelle, wird der Mensch krank. Es kommt zu einer Energieblockade, die durch Akupunktur, Diät, Kräuter, Massage oder QiGong wieder gelöst werden kann. Andersherum kann absichtlich eine Energieblockade durch einen Schlag auf einen Akupunkturpunkt herbeigeführt werden, was bis zum Tod des Gegners führen kann. TaiChi und Taijutsu beinhalten somit sehr gefährliche Techniken.

Wenn unser Wissen über dieses Energiesystem groß genug ist, können wir unsere Energie, unseren Geist und unseren Körper (Ki – Shin – Tai) in Einklang bringen und damit unsere Kraft erhöhen und unser Potenzial maximal nutzen.

Außer von der Chinesischen Medizin wurde die Kampfkunst auch stark von buddhistischen und taoistischen Theorien beeinflusst. So wurde und wird gerade in Friedenszeiten die Kampfkunst benutzt, um die spirituelle Entwicklung zu fördern. Auf der anderen Seite machten sich viele Krieger spirituelle Techniken zu nutze, um einen Vorteil gegenüber den Gegnern zu haben. Die moderne Kampfkunst fördert die individuelle spirituelle Entwicklung und gibt gleichzeitig wertvolle Hinweise auf das Zusammenleben in der Gesellschaft, auf beruflichen Erfolg und auf das freudvolle Leben in einer sich verändernden Welt.

Kommst du in eine Übungsstunde, wirst du also nicht nur Selbstverteidigungstechniken trainieren. Die Basis sind Formen und QiGong-Übungen um den notwendigen sicheren Stand zu finden und die grundlegenden Bewegungsabläufe entspannt ausführen zu können. Im TaiChi wird sehr lange eine große Form geübt, um die nötige Entspannung für die Kampftechniken zu haben. Das Taijutsu geht schneller vor, d.h., wir kommen eher zu Partnerübungen und zu schnellen und effektiven Kampftechniken.

Das Ziel ist es, einen Punkt zu erreichen, an dem das Bewusstsein völlig leer ist, Mushin. Es ist kein wirklicher Gedanke mehr da, nur ein Gefühl von Frieden. Alle Informationen sind im Unterbewusstsein, bereit im richtigen Moment losgelassen zu werden, als ob die Techniken von selbst geschehen.

Um Fortschritte zu machen ist es wichtig zu akzeptieren, dass wir alles lernen können, wenn wir es nur wollen. Wenn es für andere möglich ist etwas zu lernen oder etwas Bestimmtes zu tun, dann ist es auch für dich möglich. Dabei ist der Prozess, neue Fähigkeiten zu lernen genauso wichtig, wie das Ziel sie zu können. Liebe, was du tust, und tue was du liebst. Und vor allem liebe dich selbst. Akzeptiere dich so, wie du bist. Erst dann sind Veränderungen möglich. Lass los!

22. August 2005, C.O.

Klassische Übungsanleitung und allgemeine Richtlinien zum Ausüben des TaiChi

Mushin Ryu Taijutsu "Die Kampfkunstschule des intuitiven Geistes"

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